Für den aktuellen Brands in Motion Health Report hat We. 500 verschreibende Ärzt*innen in fünf Ländern befragt, darunter 100 in Deutschland. Aufbauend auf früheren Erkenntnissen zum Zusammenhang von Reputation und Verschreibungsverhalten untersucht der Report, wie Fehlinformationen den Praxisalltag verändern und die Wahrnehmung von Pharmaunternehmen beeinflussen.

Dass sogenannte Zerrbilder längst keine theoretische Herausforderung mehr darstellen, zeigen die Ergebnisse deutlich: 88 Prozent der weltweit befragten Ärzt*innen haben Behandlungsempfehlungen bereits angepasst, weil Patient*innen aufgrund falscher oder irreführender Informationen Vorbehalte gegenüber Therapien hatten.

Weltweit schätzen die Befragten zudem, dass mehr als ein Drittel ihrer Patient*innen (35 %) mit Zerrbildern zu Gesundheits- und Therapiethemen in die Praxis kommt. 95 Prozent berichten, dass der zusätzliche Aufklärungsbedarf die Zeit für Patient*innengespräche erhöht hat. Für viele Ärzt*innen bedeutet dies eine zusätzliche Belastung in einem ohnehin stark beanspruchten Praxisalltag.

Entsprechend sehen sie Pharmaunternehmen in der Verantwortung, irreführende Informationen in ihren Therapiebereichen aktiv richtigzustellen. „Irreführende Gesundheitsinformationen stellen Ärzt*innen im Praxisalltag vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Unterstützung durch Pharmaunternehmen bei der evidenzbasierten Aufklärung von Patientinnen“, so Jette Kilian, Head of Health bei We. Communications Deutschland.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

  • 95 Prozent der Ärzt*innen weltweit halten Pharmaunternehmen dafür verantwortlich, Zerrbilder öffentlich richtigzustellen.
  • 89 Prozent der Ärzt*innen weltweit sagen, die Reputation eines Unternehmens beeinflusse ihr Verschreibungsverhalten – und 79 Prozent würden ein Unternehmen bei gleicher Wirksamkeit, Sicherheit und Preis seltener berücksichtigen, wenn es Zerrbilder in seinem Therapiebereich nicht adressiert.
  • 59 Prozent werten das Schweigen eines Unternehmens zu Zerrbildern in ihrem Therapiebereich als kommerzielles Eigeninteresse oder als Mitverantwortung an deren Verbreitung.

Zerrbilder erschweren den Praxisalltag

Auch in Deutschland sind Zerrbilder für viele Ärzt*innen längst im Praxisalltag angekommen. Immer häufiger kommen Patient*innen mit vorgefassten Annahmen oder Vorbehalten gegenüber Therapien in die Sprechstunde. Dadurch steigt der Bedarf an Aufklärung und Einordnung, noch bevor eine Behandlung beginnen kann.

Diese Entwicklung fügt sich in aktuelle Erkenntnisse des Robert Koch-Instituts ein. Demnach verfügen rund vier von fünf Erwachsenen in Deutschland über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Vielen Menschen fällt es schwer, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, kritisch zu bewerten und verlässlich einzuordnen.

Für Ärzt*innen geht es deshalb nicht um lautere Gesundheitskommunikation, sondern um verständliche, evidenzbasierte Informationen, die Orientierung schaffen und fundierte Entscheidungen unterstützen. Entsprechend erwarten 54 Prozent, dass Pharmaunternehmen sich als verlässliche Quelle wissenschaftlich fundierter Informationen positionieren.

Ärzt*innen fordern konkrete Unterstützung

Der Report zeigt zudem, wo deutsche Ärzt*innen aktuell den größten Unterstützungsbedarf sehen. Besonders häufig nennen sie Patient*innenmaterialien für den Praxisalltag (37 %), Orientierungshilfen bei widersprüchlichen wissenschaftlichen Daten (36 %) sowie Angebote zur Faktenüberprüfung (32 %). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ärzt*innen von Pharmaunternehmen weniger öffentliche Sichtbarkeit als vielmehr praktische Unterstützung bei der Einordnung und Vermittlung medizinischer Informationen erwarten.

„Unternehmen, die Zerrbilder frühzeitig adressieren und medizinisches Wissen praxisnah zugänglich machen, können einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsaufklärung leisten“, betont Jette Kilian. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein solches Engagement nicht nur positiv auf die Reputation auswirken, sondern auch einen messbaren wirtschaftlichen Einfluss haben kann.“

Den vollständigen Report gibt Sie hier: Zerrbilder: Reputationsrisiko mit Einfluss auf die Verschreibungspraxis

Die Ergebnisse des Reports werden zudem im LinkedIn-Webinar „Zerrbilder: Reputationsrisiko mit Einfluss auf die Verschreibungspraxis“ am 30. September von 11:00 bis 12:00 Uhr vorgestellt. Die Anmeldung ist hier möglich.