Über die verschiedenen Themenfelder der Studie hinweg wird deutlich, welche zentrale Rolle Vertrauen im Apothekenumfeld spielt. Persönliche Beratung und pharmazeutische Kompetenz prägen die Beziehung zu den Patient:innen. Bei Pharmaherstellern zählen Verlässlichkeit und wissenschaftliche Evidenz, während KI zwar zunehmend wahrgenommen, bislang aber zurückhaltend genutzt und bewertet wird. Auch bei den Informations- und Fortbildungsangeboten setzen Apotheker*innen und PTA unterschiedliche Schwerpunkte. Befragt wurden vom 1. Juli bis 6. August 2026 insgesamt 1.415 Teilnehmer:innen des DeutschenApothekenPortals (DAP), darunter 736 Apotheker:innen und 669 PTA.

Apothekenalltag: Ambivalenz mit positiver Tendenz

Die Apothekenteams bewerten ihre aktuelle Situation überwiegend ambivalent. Über alle Teamgrößen hinweg lautet die häufigste Antwort „teils, teils“. Gleichzeitig fällt der Blick auf den Apothekenalltag etwas häufiger positiv als negativ aus. Je nach Berufsgruppe und Teamgröße bewertet etwa ein Viertel bis gut zwei Fünftel der Befragten die Situation ihrer Apotheke eher oder sehr positiv. Negative Einschätzungen kommen seltener vor. Zu den größten Belastungen in der Offizin gehören Lieferengpässe. 67 Prozent der Apotheker*innen und 71 Prozent der PTA nennen sie als eine der drei größten Herausforderungen. Dahinter folgen Honorar und Wirtschaftlichkeit mit 63 beziehungsweise 55 Prozent sowie Bürokratie mit 57 beziehungsweise 59 Prozent. Auch der Wettbewerb durch Versandapotheken und der Personalmangel beschäftigen die Teams. Digitalisierung spielt mit 15 beziehungsweise 16 Prozent dagegen eine deutlich geringere Rolle.

Vertrauen in die Vor-Ort-Apotheke: Beratung und Kompetenz machen den Unterschied

Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt die Beratungskompetenz eine besondere Stärke der Vor-Ort-Apotheke. Rund acht von zehn Befragten erleben das Vertrauen der Patient:innen in das Apothekenteam als eher oder sehr stark. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Selbstmedikation: 69 Prozent der Apotheker:innen und 75 Prozent der PTA nehmen hier ein besonders hohes Vertrauen wahr. Auch wenn Alternativen oder Ersatzprodukte gefragt sind oder Lieferengpässe eine andere Lösung erfordern, kommt der pharmazeutischen Beratung eine wichtige Rolle zu.

Bei den Faktoren, die dieses Vertrauen stärken, sind sich Apotheker:innen und PTA weitgehend einig. An erster Stelle steht die persönliche Beratung mit 77 beziehungsweise 79 Prozent, dicht gefolgt von der Fachkompetenz des Teams mit 74 beziehungsweise 73 Prozent. Auch räumliche Nähe und Erreichbarkeit sind für mehr als die Hälfte ein wichtiger Faktor. Unterschiede gibt es bei Verlässlichkeit und Verfügbarkeit, die PTA mit 59 Prozent häufiger nennen als Apotheker:innen mit 51 Prozent.

mgekehrt messen Apotheker:innen der Kontinuität der persönlichen Beziehung mit 39 Prozent mehr Bedeutung bei als PTA mit 31 Prozent. „Persönliche Beratung und pharmazeutische Kompetenz sind ein echter Wettbewerbsvorteil der Vor-Ort-Apotheke – gerade weil sie ein Vertrauen schaffen, das der Versandhandel so nicht ersetzen kann“, sagt Frank Schubert, Geschäftsführer von pilot Mainz. „Für Hersteller bedeutet das: Ihre Kommunikation muss dieses Vertrauen unterstützen und darf sich nicht in reinen Werbebotschaften erschöpfen. Entscheidend sind fachlich belastbare Informationen und klare Argumente, die das Apothekenteam im direkten Austausch mit den Patient:innen tatsächlich nutzen kann.“

Pharmahersteller: Verlässlichkeit und Evidenz schaffen Vertrauen

Auch das Vertrauen in Pharmahersteller hängt für die Apothekenteams vor allem von konkreten Leistungen ab. Für 63 Prozent der Apotheker:innen ist die Verlässlichkeit der Lieferkette ein besonders wichtiger Faktor (siehe Grafik). Bei den PTA liegen Lieferkette (61 %) und Preis-Leistungsverhältnis (60 %) an der Spitze. Wissenschaftliche Evidenz beziehungsweise Studienlage, Retouren-Regelungen, Fortbildungsangebote und Transparenz bei Lieferengpässen folgen dahinter. Die Qualität der Werbung für Fachkreise nennen 20 Prozent der Apotheker:innen und 26 Prozent der PTA als vertrauensbildenden Faktor. Produktbotschaften entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie mit Verlässlichkeit, wissenschaftlicher Evidenz und einem konkreten Mehrwert für die Apotheke verbunden sind. Mediale Fachkampagnen und Außendienst sollten dabei zusammenspielen und die Apothekenteams im Arbeitsalltag unterstützen.

KI wird sichtbarer – Transparenz entscheidet über Vertrauen

Künstliche Intelligenz ist im beruflichen Umfeld der Apotheken angekommen. Rund zwei Drittel der Apotheker:innen und PTA beobachten, dass ihr Einsatz in den vergangenen drei Jahren merklich oder sehr stark zugenommen hat. Selbst nutzen viele die Technologie bislang allerdings eher sporadisch: Fast drei Viertel greifen im Arbeitsalltag gar nicht oder höchstens ein- bis zweimal im Monat darauf zurück. Die weitere Entwicklung beurteilen die Apothekenteams abwägend. 62 Prozent der Apotheker:innen und 64 Prozent der PTA sehen sowohl Chancen als auch Risiken. Dass KI in den kommenden drei bis fünf Jahren Qualität und Effizienz der eigenen Arbeit deutlich verbessern wird, erwarten bislang vergleichsweise wenige Befragte.

Bei KI-gestützten Informationsangeboten von Fachmedien kommt es stark auf den konkreten Anwendungsfall an. Etwa die Hälfte würde von Fall zu Fall entscheiden, ob sie beispielsweise KI-Chatbots auf Fachportalen oder KI-generierte Beiträge als vertrauenswürdige Quelle nutzt. Dabei kommt es vor allem auf Transparenz an: KI-generierte Inhalte sollten als solche gekennzeichnet und die verwendeten Datenquellen nachvollziehbar sein. Auch die Möglichkeit, bei Bedarf einen Menschen hinzuzuziehen, ist vielen wichtig. Ein KI-Gütesiegel allein hat hingegen deutlich weniger Gewicht. „Gerade bei pharmazeutischen Fachinformationen muss nachvollziehbar bleiben, woher eine Information stammt und wie sie zustande gekommen ist“, sagt Nils Wörner, Geschäftsführer beim Deutschen Apotheker Verlag. „Die Ergebnisse zeigen, dass Apothekenteams neuen Technologien durchaus offen begegnen, dabei aber Transparenz erwarten. Für Fachmedien heißt das: Auch beim Einsatz von KI müssen fachliche Qualität und redaktionelle Verantwortung erkennbar bleiben.“

„Für das Pharmamarketing reicht es deshalb nicht, KI einfach in bestehende Angebote zu integrieren“, ergänzt Frank Schubert. „Ein Gütesiegel allein schafft noch kein Vertrauen. Entscheidend ist, dass Pharmaunternehmen auch beim Einsatz von KI ihre fachliche Verantwortung sichtbar machen.“

Informationsverhalten: Apotheker*innen suchen Einordnung, PTA stärker Praxiswissen

Apotheker:innen und PTA setzen bei der fachlichen Information unterschiedliche Schwerpunkte. Apotheker:innen greifen häufiger auf redaktionelle Beiträge in Fachmedien, zertifizierte Fortbildungen und Fachbücher zurück. Für PTA spielen praxisnahe Produktschulungen und Veranstaltungen von Pharmaherstellern, Apothekentrainings, Kongresse, Community-Angebote und Social Media eine größere Rolle. Zertifizierte Fortbildungen und Produktschulungen sind für beide Berufsgruppen relevant. 

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei einzelnen Formaten: Redaktionelle Beiträge nennen 33 Prozent der Apotheker:innen als relevantes Informationsangebot, bei PTA sind es 25 Prozent. Produktschulungen von Fachmedien erreichen dagegen 54 Prozent der PTA und 47 Prozent der Apotheker*innen. „Fachmedien sind deshalb weit mehr als reine Werbeträger“, sagt Frank Schubert. „Ihre Stärke liegt darin, fachliche Orientierung mit den passenden Informations- und Lernformaten zu verbinden. Apotheker*innen erreichen wir stärker über evidenzbasierte Einordnung, PTA über anwendbares Wissen und konkrete Unterstützung im Beratungsalltag. Diese Unterschiede sollten sich auch in der Kommunikations- und Mediaplanung widerspiegeln.“