Gesellschaftliche Spaltung schwächt das Vertrauen
59 % der Deutschen sind der Meinung, dass das Land bei wichtigen Gesundheitsthemen gespalten ist. Unter ihnen geben zwei Drittel (66 %) an, dass diese Spaltung ihr Vertrauen in das Gesundheitssystem geschwächt hat. 53 % sagen zudem, dass dadurch auch die Glaubwürdigkeit der Politik in Gesundheitsfragen gelitten hat. Gleichzeitig verlieren viele Menschen das Vertrauen in die Medien als verlässliche Quelle für Gesundheitsinformationen.
KI und alternative Informationsquellen gewinnen an Einfluss
Der diesjährige Report zeigt deutlicher denn je, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz bereits heute auf Gesundheitsentscheidungen hat. 24 % der Deutschen nutzen KI-Anwendungen zur Unterstützung ihrer Gesundheit – beispielsweise, um schnelle Antworten auf Gesundheitsfragen zu erhalten, Symptome einzuordnen, Behandlungsempfehlungen zu recherchieren oder medizinische Testergebnisse zu interpretieren.
Noch bemerkenswerter ist, dass mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) glaubt, dass Menschen ohne medizinische Ausbildung, aber mit KI-Expertise, mindestens eine von fünf gesundheitsbezogenen Aufgaben genauso gut oder sogar besser erfüllen können als medizinisches Fachpersonal.
Dadurch verschieben sich die Vertrauensverhältnisse. Ärztinnen und Ärzte konkurrieren zunehmend mit KI, sozialen Medien und anderen digitalen Informationsquellen um Einfluss auf Gesundheitsentscheidungen.
„Künstliche Intelligenz eröffnet Menschen neue Möglichkeiten, sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Damit wächst aber auch die Bedeutung von Orientierung und Gesundheitskompetenz. Vertrauen entsteht künftig nicht allein durch den Zugang zu Informationen, sondern durch die Fähigkeit, deren Qualität und Relevanz richtig einzuordnen“, so Karl Stubbe, Head of Health bei Edelman Deutschland.
Kontroverse Gesundheitsüberzeugungen sind weit verbreitet
Der zunehmende Einfluss alternativer Informationsquellen zeigt sich auch in der Verbreitung kontroverser Gesundheitsüberzeugungen. Fast sieben von zehn Deutschen halten mindestens eine von sechs Aussagen zu Lebensmitteln, Impfstoffen oder Medikamenten für wahr.
Dazu gehören Skepsis gegenüber Impfungen, Debatten über Fluorid im Trinkwasser, der Konsum von Rohmilch, tierische Proteine oder Fragen zur Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei jüngeren Erwachsenen: 73 % stimmen mindestens einer dieser Aussagen zu. Mit der weiter steigenden Informationsflut könnte sich diese Entwicklung künftig noch verstärken.
Vertrauen entsteht dort, wo Orientierung und persönliche Nähe geboten werden
Während Institutionen, digitale Plattformen und neue Informationsquellen um Glaubwürdigkeit konkurrieren, bleiben persönliche Ärztinnen und Ärzte mit Abstand die vertrauenswürdigsten Stimmen, wenn es darum geht, die Wahrheit über Gesundheitsthemen zu vermitteln.
„In einer offenen Gesellschaft gehört es dazu, dass Menschen bei Gesundheitsthemen unterschiedliche Ansichten vertreten. Entscheidend ist nicht vollständige Einigkeit, sondern die Bereitschaft, auf der Grundlage von Fakten, Transparenz und gegenseitigem Respekt miteinander zu diskutieren. Dort, wo das gelingt, entsteht Vertrauen. Und dies bleibt die wichtigste Grundlage für informierte Gesundheitsentscheidungen“, fasst Karl Stubbe zusammen.
Vertrauen stärken und Orientierung geben
Die Studie identifiziert vier zentrale Ansatzpunkte, um Vertrauen im Gesundheitswesen zu stärken:
- Erstens braucht es einen offeneren Umgang mit unterschiedlichen Gesundheitsüberzeugungen – insbesondere in polarisierten Zeiten. Statt Menschen in gegensätzliche Lager einzuordnen, gilt es, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und den Dialog aufrechtzuerhalten.
- Zweitens müssen Institutionen eine aktivere Rolle beim Vertrauensaufbau übernehmen – durch transparente Kommunikation und praxisnahe Orientierung, die an den Alltag der Menschen anknüpft.
- Drittens muss sich Gesundheitskommunikation an die fragmentierte Informationslandschaft anpassen. Neue Informationen entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn sie von glaubwürdigen Quellen stammen und verständlich vermittelt werden.
- Viertens bleiben persönliche Ansprechpartner entscheidend. Ärztinnen, Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte sind weiterhin zentrale Vertrauenspersonen, die Menschen bei komplexen Gesundheitsentscheidungen Orientierung geben.
Der vollständige Edelman Trust Barometer Special Report 2026: Trust and Health steht auf der Website von Edelman Deutschland zum Download bereit.
