Damit beginnt jedoch erst die eigentliche Herausforderung: Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen allein garantieren keine breite und sichere Anwendung in der GKV-Regelversorgung. Entscheidend ist, wie die verschiedenen Zielgruppen – Ärzt:innen, Apotheken, Patient:innen – mit verlässlichen, evidenzbasierten Informationen erreicht werden. Zwar hat sich die wissenschaftliche Datenlage in den vergangenen Jahren verbessert, mit positiven Ergebnissen insbesondere bei neuropathischen Schmerzen, Multipler Sklerose und Tumorschmerzen, doch viele Ärzt:innen verfügen weiterhin über wenig praktische Erfahrung mit Cannabis-Therapien. Hinzu kommen hartnäckige Vorurteile in der Bevölkerung, die das medizinische Einsatzgebiet mit dem Freizeitgebrauch vermischen.
Anbieter, Fachgesellschaften und Verbände stehen deshalb vor einer kommunikativen Kernaufgabe: Die Vermittlung von Wissen muss über klassische Produktpräsentationen hinausgehen und sich an den realen Fragestellungen im Versorgungsalltag orientieren. Dazu gehören konkrete Informationen zur Auswahl geeigneter Präparate, zu Lieferfähigkeit und Dosistitration ebenso wie zur Abrechnung und Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen. Ebenso wichtig ist es, die Ergebnisse aktueller Studien und Praxisleitlinien in verständlicher Form aufzubereiten und verfügbar zu machen.
■ Aufklärung als Schlüssel zur Versorgung
Eine zielgerichtete Informationsarbeit im Sinne der Medical Education, eine evidenzbasierte Kommunikation, die auf Wissensvermittlung statt auf klassische Werbebotschaften setzt, ist also notwendig. Dazu gibt es mehrere Ansätze: So bietet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin in Zusammenarbeit mit der Vayamed GmbH das DGS-Curriculum „Schmerzkompetenz Cannabis“ an und vermittelt darin über interaktive E-Learning-Module Grundlagenwissen, praxisnahe Fallbeispiele und Hinweise zu Dosierung, Präparatauswahl sowie Erstattung. Ähnlich strukturiert ist der Zertifikatskurs „Cannabis in der Medizin: Das A–Z der Cannabis-basierten Therapie“ der Dresden International University, der in über 80 Unterrichtseinheiten sämtliche Aspekte der Cannabis-Therapie abdeckt – von pharmazeutischen Grundlagen bis zur Praxisleitlinien-konformen Anwendung. Ergänzend lohnt außerdem ein Blick auf das Fachtool Copeia: Die Plattform unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei der oft aufwendigen Beantragung der GKV-Kostenübernahme und bietet zugleich eine Vielzahl praxisnaher Kasuistiken. Dadurch senkt sie bürokratische Hürden und erleichtert den routinierten Einsatz von Cannabis-basierten Therapien im klinischen Alltag.
Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker bietet praxisnahe Hilfsmittel wie Checklisten zur alternativen Identifizierung von Cannabisprodukten an – ein Schritt zur Harmonisierung zwischen regulatorischen Anforderungen und alltäglichem Apothekenbetrieb. Diese Tools sind essenziell, um Unsicherheiten bei Lagerung, Qualitätssicherung und Abgabe abzubauen. Außerdem stärken sie die Beratungsqualität.
■ Apotheken: Partner in der Versorgungskette
Denn als Verarbeiter und Abgeber von Cannabisrezepturen tragen Apotheken entscheidend zur Therapiesicherheit bei. Ihnen kommt eine wichtige Beratungsfunktion zu: Sie klären Patient:innen über mögliche Wechselwirkungen auf, prüfen die Dosierung und den Therapieplan auf Plausibilität. Insbesondere in der flächendeckenden Versorgung sind gut informierte Apotheken essenziell. Neben der sachgerechten Herstellung der Rezepturarzneimittel, seien es die Abfüllung und Zerkleinerung, das Verdünnen oder die Herstellung von öligen Lösungen, sind Apotheken für die Prüfung der Identität des Ausgangsstoffs verantwortlich, wofür neben der klassischen Dünnschichtchromatographie (DC) mittlerweile auch validierte Schnelltests zum Einsatz kommen.
Auf patientenseitige Unsicherheiten können Informationsbroschüren, Online-Portale und Schulungen reagieren, die die medizinische Anwendung klar von Freizeitkonsum unterscheiden und Nutzen, Risiken sowie Dosierung verständlich aufbereiten. Dabei sorgt ein kohärentes Zusammenspiel von Ärzt:innen, Apotheken und Patientenmaterialien für eine konsistente, evidenzbasierte Kommunikation.
■ Kommunikation als Markteintrittsstrategie
Anders als in klassischen pharmazeutischen Märkten basiert die Markterschließung der Cannabisversorgung nicht primär auf Außendienststrukturen, sondern auf einem hybriden Modell aus Informationsinhalten, Service und Dialog. Unternehmen, die sich als Partner im Versorgungsprozess positionieren, stärken Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit gleichermaßen. Das zeigt sich etwa im Vayamed Campus, einer Plattform für medizinische Fachkreise mit akkreditierten Schulungen und Zugang zu Versorgungshilfen.
Nicht zuletzt kann Content Marketing einen intelligenten Pfeiler in der Gesamtstrategie darstellen: Infografiken zur Wirkweise, Interviews, Whitepaper zur Evidenzlage – zielgruppenspezifisch aufbereitet und crossmedial ausgespielt – tragen zur Aufklärung bei und schaffen Sichtbarkeit. Neue Kanäle wie Podcasts, Social Media oder Plattformen wie DocCheck sorgen für niedrigschwellige Erstkontakte.
Gelingt es, diese Kommunikationsstrategie konsequent umzusetzen, kann medizinisches Cannabis nicht nur als Nischenlösung, sondern als integraler Bestandteil moderner Schmerz-, Palliativ- und Neurologieversorgung etabliert werden. Gesetzesreformen schaffen die Möglichkeit – professionelle, zielgruppengerechte Kommunikation entscheidet über den nachhaltigen Erfolg.
■ Fazit
Das Cannabisgesetz hat den regulatorischen Rahmen für medizinisches Cannabis grundlegend vereinfacht. Der Verordnungserfolg wird aber nicht allein von Gesetzesnovellen oder Produktverfügbarkeit bestimmt, sondern auch von der Qualität der Kommunikation. Medical Education, ärztliche Services und faktenbasierte Inhalte sind die zentralen Stellschrauben für eine erfolgreiche Positionierung im GKV-Markt. Wer Cannabis-Therapien verständlich erklärt, Ärzt:innen konkrete Hilfestellungen bietet und Patient:innen begleitet, trägt zur Normalisierung einer modernen Therapieform und nachhaltiger Marktakzeptanz bei. Langfristig kann Medizinalcannabis so einen wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung schwerkranker Patient:innen leisten.

Dr. Lukas von Bredow promovierte am Institut für Wirkstoffentwicklung in Leipzig. Während seines Studiums absolvierte er Forschungsaufenthalte an der Monash University (Australien) sowie an der Vanderbilt University (USA). Seit 2025 ist er als Medical Manager bei der Vayamed GmbH tätig. In dieser Funktion verantwortet er die wissenschaftliche Bewertung cannabisbasierter Therapien sowie die Konzeption evidenzbasierter Medical-Education-Formate für Ärzt:innen und Apotheken.
Weitere Informationen: https://vayamed.com/
