Fiktiv oder real – woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Das Ideal besteht in einem vorhandenen und gut dokumentierten Fall eines Mediziners oder einer Medizinerin. Durch die Vorstellung der Persona kann bei den Lesenden Sympathie und das Gefühl eines kollegialen Austauschs erzeugt werden. Diese echten Erfahrungswerte vermitteln Vertrauen, gerade bei frisch gelaunchten Produkten, auch in Bezug auf das Sicherheitsprofil oder mögliche Regresse.

Doch auch wenn keine realen Daten verfügbar sind, kann eine fiktiv erstellte Kasuistik zu besser strukturierten Abwägungen der Behandler und passgenauen Verschreibungen verhelfen. Die Fälle sollten dann realistisch und nicht zu optimal aufgebaut sein. So können bekannte UAWs abgehandelt und gleich ein exemplarischer Umgang und die entsprechende Kommunikation gegenüber Patienten:innen gezeigt werden.

Für jedes „Produktalter“ der passende Patientenfall

Je nach Alter und Standing des Produkts können durch Kasuistiken gezielt Informationen positioniert werden:

  • Pre-Launch: Hier wird die allgemeine Awareness für die Indikation erhöht. An einem Beispiel können die bisher nur supportiven oder unzureichenden Behandlungsoptionen aufgezeigt werden, um gedanklich den Weg für die neue Therapie zu ebnen.
  • Rund um den Launch: Anhand einer zulassungsadaptierten Patientencharakteristik wird gezeigt, für wen sich das Produkt eignet und wie Eindosierung, Monitoring und Nebenwirkungsmanagement erfolgen.
  • Verlauf des Produktzyklus: Spezielle Fälle behandeln Komorbidität, ungewöhnliches Lebensalter oder Ähnliches. Auch die Gegenüberstellung von kurzskizzierten Patient:innen ist möglich, um die große Einsatzbreite des Produkts zu zeigen.
  • Viele Konkurrenten oder Generika: Ein geschickt eingesetzter Fallbericht kann die kleineren USPs eines Produkts hervorheben, zu Beispiel Fokus auf eine besondere Wirtschaftlichkeit oder Galenik.

Storytelling und Wissenschaft Hand in Hand

Die Patientenfälle sollen wertvolle und wissenschaftlich korrekte Inhalte an ärztlich Tätige herantragen. Storytelling als Aufhänger verbessert den Lesekomfort und fördert Sympathie und gedankliches Anknüpfen an eigene Patient:innen. Ein Einstieg wie „An einem späten Freitagvormittag stellt sich Herr M. akut in Ihrer Sprechstunde vor.“ trifft die Perspektive eines Niedergelassenen und fördert so seine Aufnahmebereitschaft für die folgenden Fakten. Persönliche Details schlagen eine Brücke zu eigenen Patient:innen der Lesenden und sind wichtig für den Gesamtkontext. Beispiel: „Herr M. ist 65 und seit 3 Jahren berenteter Maurermeister. Er pflegt seine schwerkranke Frau und war seit Jahren bei keinem Arzt mehr.“ Wenn Fotos verwendet werden, ist eine Übereinstimmung mit der beschriebenen Person in Geschlecht, Alter, Ethnie und Morbidität unerlässlich um das innere Bild bei den Ärzt:innen noch zu stärken. 

Ein gelungener Fall beschreibt einen Verlauf und nie nur eine einmalige Bestandserhebung. Sowohl die Epikrise bis zum aktuellen Termin ist wichtig als auch das Prozedere danach. Beschrieben werden können Wiedervorstellungen oder Befunderhebungen bei Dritten. Um der Realität Rechnung zu tragen, können erneut Randnotizen wie „Da Herr M. erst nach 4 Monaten einen MRT-Termin bekam, stellte er sich im Oktober zur Befundbesprechung erneut bei Ihnen vor.“ eingestreut werden. Produktinformationen, die schwierig in die Kasuistik zu integrieren wären, finden ihren Platz in übersichtlichen Boxen. Zum Abschluss besteht die Option für einen Aufruf an die Lesenden, selbst interessante, außergewöhnliche oder kniffelige Patientenfälle einzureichen. Diese aktive Einbindung fördert, neben der Akzeptanz getroffener Aussagen, auch das Brand Attachment.

 

 

Eva Buck ist Ärztin und Medical Advisor bei coliquio. Durch ihre praktischen Erfahrungen in Kliniken und bei Niedergelassenen sind ihr Patientenfälle ein besonderes Anliegen.

 

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Tipp zum Weiterlesen: https://www.coliquio-insights.de/erfolgreiche-kasuistiken