KI ist im medizinischen Alltag angekommen: Rund 88 % der befragten Ärztinnen und Ärzte nutzen bereits KI-Tools in ihrem beruflichen Umfeld. Besonders dominant sind dabei KI-Chatbots (LLMs) wie ChatGPT oder Google Gemini, die von 84 % der Befragten verwendet werden. Die aktuelle Befragung von 160 Medizinerinnen und Medizinern zeigt jedoch deutliche Unterschiede in der Intensität und Professionalität der Anwendung:
- Average User (49 %): Die größte Gruppe nutzt mindestens ein KI-Tool gelegentlich, integriert die Technologie jedoch noch nicht vollumfänglich in jede Routine.
- Low User (31 %): Diese Gruppe nutzt KI-Anwendungen selten (maximal einmal im Monat) oder gar nicht und zeigt sich skeptisch gegenüber der Zeitersparnis und Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse.
- Heavy User (19 %): Für diese Vorreiter ist KI ein fester Bestandteil der klinischen Arbeit. Sie nutzen mehrere Tools regelmäßig oder sogar täglich und sind besonders versiert darin, Quellen zu validieren.
Chatbots schlagen spezialisierte Tools bei Recherche und Diagnose
Ein zentrales Ergebnis des Reports: KI-Chatbots werden von der Ärzteschaft häufig spezialisierten KI-Tools vorgezogen. Sie dienen primär der Recherche zu Indikationen (59 %) sowie zu Präparaten und Wirkstoffen (57 %). Besonders bemerkenswert ist der Einsatz in der klinischen Entscheidungshilfe: Über die Hälfte der Befragten (54 %) lässt sich bereits von Chatbots bei der Therapiefindung unterstützen. Bei Hausärztinnen und Hausärzten (APIs) liegt dieser Wert mit 63 % sogar noch deutlich höher.
Umgang mit Falschinformationen: Routine bringt Vertrauen
Trotz der hohen Nutzungsraten bleibt das Bewusstsein für Risiken geschärft. 72 % der Heavy User sind bereits auf Falschinformationen durch KI gestoßen. Dennoch stufen sie die Ergebnisse als vertrauenswürdiger ein als Low User (35 % vs. 14 %). Dies liegt vor allem an der höheren Kompetenz: 55 % der Heavy User fühlen sich ausreichend geschult, KI-Ergebnisse richtig zu interpretieren, während dies nur auf 22 % der Low User zutrifft.
Informationsbedarf: Praxisnähe und Qualitätssicherung gefragt
Der Report verdeutlicht, dass die Ärzteschaft klare Erwartungen an die Aufklärung rund um KI hat. Die Top-Informationswünsche sind:
- Praxisbeispiele zum Einsatz von KI im ärztlichen Alltag (51 %)
- Qualitätssicherung und Validierung der Informationen (47 %)
- Unterstützung bei der Implementierung von KI im beruflichen Alltag (42 %)
- Während sich Hausärzt:innen vor allem konkrete Praxisbeispiele wünschen (57 %), legen Fachärzt:innen gesteigerten Wert auf die Qualitätssicherung der bereitgestellten Informationen (48 %).
Die Online-Befragung wurde von August bis November 2025 unter 160 Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachbereiche durchgeführt.
Der vollständige Report steht ab sofort kostenlos zum Download bereit: https://www.coliquio-insights.de/downloads/report-ki-nutzung-medizin-2026/
