In Deutschland sind etwa zwei Prozent der Erwachsenen von Neurodermitis betroffen. Die Erkrankung verläuft in Schüben; der Hautzustand kann sich von Tag zu Tag verändern. Diesen Verlauf erleben Betroffene vor allem zu Hause; Ärzt:innen sehen ihn dagegen nur bei wenigen Terminen im Jahr. Mit der App „Nia“ dokumentieren Patient:innen ihren Krankheitsverlauf zwischen den Terminen. So gehen sie besser vorbereitet ins Arztgespräch, das damit für beide Seiten effizienter wird.
KI-Unterstützung für die ärztliche Bewertung
Ein zentraler Baustein des Versorgungsangebots ist außerdem die Bewertung des Krankheitsschweregrads. Ärzt:innen erheben die klinischen Scores bislang manuell; da derselbe Befund je nach behandelnder Person unterschiedlich eingestuft werden kann, ist die Interrater-Reliabilität begrenzt, mit Folgen für Verlaufskontrolle und Datenqualität. Dafür entwickelt Nia Health den „AI Severity Classifier“: Das KI-gestützte System analysiert Fotos der betroffenen Hautstellen, die Patient:innen mit der App selbst aufnehmen, und schätzt den Schweregrad anhand etablierter klinischer Scores ein.
Aktuell wird der „AI Severity Classifier“ in das Krankenhausinformationssystem (KIS) der Charité integriert. Perspektivisch lassen sich Krankheitsschweregrade so automatisiert, standardisiert und direkt im KIS erfassen, teils sogar durch die Patient*innen selbst zu Hause. Die KI dient dabei ausschließlich als Unterstützung; die ärztliche Beurteilung bleibt maßgeblich. Der Erhebungsaufwand sinkt dadurch; gleichzeitig steigt die Vergleichbarkeit der Scores und es entsteht eine wissenschaftlich hochwertige Datengrundlage.
„Bei Neurodermitis entsteht oft eine Lücke zwischen dem, was Patient:innen im Alltag erleben, und dem, was in der Sprechstunde ankommt“, so Tobias Seidl, CEO und Mitgründer von Nia Health. „Mit unseren Anwendungen wird der Krankheitsverlauf sichtbar; KI macht den Schweregrad objektiver erfassbar, damit Veränderungen früher erkannt werden und Therapien noch personalisierter angepasst werden können.“
Warum AbbVie die Entwicklung fördert
AbbVie forscht und entwickelt seit Jahren im Bereich chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen, darunter atopische Dermatitis. Mit der Partnerschaft unterstützt das Unternehmen die Weiterentwicklung innovativer Versorgungslösungen.
„Wir wollen die Versorgung von Menschen mit atopischer Dermatitis über den einzelnen Arzttermin hinaus noch tiefer verstehen und verbessern“, so Katrin Diemann, Head of Medical Immunology bei AbbVie Deutschland. „Digitale Anwendungen und KI, die den Versorgungsalltag effizienter und präziser machen, sind dafür ein wichtiger Baustein“, ergänzt Anja Moeller, Business Unit Managerin AD bei AbbVie Deutschland.
